Die zehn einflußreichsten Krankenschwestern der Geschichte

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Dieser Blogbeitrag soll Euch die zehn einflussreichsten Krankenschwestern der Geschichte näher bringen. Nun könntet ihr natürlich denken, dass ich, da selber Krankenschwester etwas voreingenommen gegenüber diesem Thema bin. Aber ihr werdet erstaunt sein, wie stark diese erstaunlichen Frauen die Welt, in der wir heute leben beeinflusst haben. Wenn ihr im Internet Rankings von berühmten Persönlichkeiten lest, dann geht es oft um Politiker, Wissenschaftler, Sportler oder Künstler. Aber was wäre die heutige Gesundheitsfürsorge, ohne diese tapferen Krankenschwestern, die diesen Berufsstand so wirkungsreich gemacht haben, wie er heute ist. Viele der folgenden Krankenschwestern hatten maßgeblichen Einfluss auf die heute so normal erscheinenden Standards in der Pflegepraxis. Sie erreichten die Änderung von bestehenden Gesetzen, eine bessere Ausbildung, die Gleichstellung von Geschlechtern und Rassen, gründeten einflußreiche Organisationen und retteten Millionen von Menschenleben. Wie wichtig ihr Engagement war, lest ihr hier in meinem Überblick:

Florence Nightingale (1820 – 1910)

Florence Nightingale gebührt mit Sicherheit die Ehre die berühmteste Krankenschwester der Geschichte zu sein. Sie wurde im italienischen Florenz geboren und erhielt deshalb auch ihren Vornamen. Als Tochter eine überaus wohlhabenden Adelsfamilie war ihr eigentlich eine andere Berufslaufbahn vorbestimmt. Doch Florence begann sich schon in ihrer frühen Jugend für die Krankenpflege zu begeistern und setzte gegen den Willen ihrer Eltern eine entsprechende Ausbildung durch. 1854 begann unter Beteiligung von Russland, der Türkei und Großbritannien der Krieg um die Krim und Florence` Leben bekam seine entscheidende Wende. Im Auftrag des britischen Kriegsministers reiste sie in die Türkei, organisierte die Verwundetenpflege und versorgte mit lediglich 125 Helferinnen innerhalb von drei Monaten über 10.000 Soldaten. Dank ihren Erfahrungen und später schriftlich niedergelegten Schilderungen konnte aufgezeigt werden, dass die meisten Soldaten nicht durch Kampfhandlungen, sondern durch Mangelerscheinungen und katastrophale hygienische Bedingungen starben. 1860 eröffnete Flo in London ihre eigene Pflegeschule und formulierte in berühmte gewordenen Schriften erstmals medizinische Standards und ethische Grundsätze für den Beruf der Krankenschwester. Florence Nightingales Wirken hatte maßgeblichen Einfluß auf die Gründung des Roten Kreuzes 1864. Zu ihren Ehren wird an ihrem Geburtstag, dem 12. Mai der Internationale Tag der Pflegenden begangen.

Clara Barton (1821 – 1912)

Was für die Engländer Florence Nightingale war Clara Barton für die Amerikaner. Während des extrem verlustreichen amerikanischen Bürgerkrieges wurde ihr der Name „Engel des Schlachtfelds“ verliehen. Über drei Jahre versorgte sie mit unermüdlichem Einsatz die Fronthospitäler beider Seiten mit medizinischem Material und half tatkräftig in den überfüllten Lazaretten. 1881 gründete sie das Amerikanische Rote Kreuz und leitete die Organisation bis 1904. Das Rotes Kreuz und Roter Halbmond heute nicht nur bei kriegerischen Konflikten, sondern auch bei Naturkatastrophen und ähnlichen Notsituationen helfen, ist maßgeblich Clara Barton zu verdanken

Mary Eliza Mahoney (1845 – 1926)

Dass heute Frauen aller Ethnien und Rassen den Beruf der Krankenschwester ausüben können, ist vor allem Mary Eliza Mahoney zu verdanken. Sie war die erste Afroamerikanerin, die eine Krankenschwesternschule mit einem staatlich anerkannten Abschluss verließ, um später in von weißen dominierten Gesellschaftsschichten als gleichberechtigte Pflegerin zu arbeiten. Ihr Beispiel ermöglichte vielen anderen Afroamerikanerinnen den Zugang zu amerikanischen Krankenschwesternschulen. 1908 gründete sie die National Association of Colored Graduate Nurses und wurde zu einer einflussreichen Kämpferin gegen die Rassendiskriminierung.

Dorothea Dix (1802 – 1887)

Die Amerikanerin Dorothea Dix verbrachte 40 Jahre ihres Lebens damit, Lobbyarbeit für die psychische Gesundheitsversorgung zu leisten. Dank der von ihr initiierten Umfragen und Untersuchungen wurde das Gesundheitswesen für psychisch Kranke in den USA aber auch in Europa entscheidend reformiert. Zwischen 1840 und 1860 konnten so erstmals über 30 Nervenheilanstalten entstehen. 1861 wurde ihr, während des amerikanischen Bürgerkrieges die Leitung von über 6.000 Lazarettschwestern der Nordstaaten übergeben. Nach dem Krieg setzte sich Dorothea Dix auch für die Einrichtung humaner Versorgung von psychisch und psychisch Kranken in Gefängnissen ein.

Margaret Sanger (1879 – 1966)

Der Tod ihrer Mutter nach elf Schwangerschaften und ihre Erfahrungen als Krankenschwester in den Slums von New York machten Margaret Sanger zu einer entschiedenen Kämpferin für das Recht der Frau auf Empfängnisverhütung und Geburtenkontrolle. Margaret Sanger drängte vor allem darauf, dass die Menschen der unteren Klassen über verschiedene Formen der Geburtenkontrolle unterrichtet werden müssten und leistete kämpferischen Einsatz gegen die diesbezüglichen Vorstellungen der katholischen Kirche. 1921 gründete sie die American Birth Control League, eine Organisation, die sich schließlich in das verwandelte, was wir heute Planned Parenthood nennen. Mit ihrer weitreichenden persönlichen Erfahrung bezüglich zahlloser Schwangerschaftsprobleme und ihrem stetigen Drang nach Bildung und Bewusstsein war Margaret Sanger eine der einflussreichsten Vorreiterinnen für das Recht der Frauen auf Empfängnisverhütung.

Linda Richards (1841 – 1930)

Die Amerikanerin war die erste Krankenschwester der Geschichte, die eine professionelle Ausbildung abschloß. Ihr Erfahrungen schilderte sie später so: „Wir waren von 5:30 Uhr am Morgen bis 21 Uhr am Abend auf den Stationen. Jede Krankenschwester hatte eine Station mit sechs Patienten zu betreuen und schlief in einem kleinen Zimmer in unmittelbarer Nähe. Ich wurde bis zu neunmal jede Nacht von einem Anruf geweckt. Abgesehen von einem freien Nachmittag aller zwei Wochen gab es eigentlich keine Zeit zum Lernen oder zur Erholung.“ Dem Beruf blieb Linda trotzdem treu und leiste später Beispielloses. Linda entwickelte das weltweit erste System zur Aufbewahrung von individuellen Krankenakten und gründete, mit persönlicher Unterstützung von Florence Nightingale in den USA landesweit zahllose Krankenschwesternschulen. 1885 zog sie für fünf Jahren nach Japan, wo sie die ersten Ausbildungsprogramme für japanische Krankenschwestern begleitete. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie weitere zwanzig Jahre in Krankenhäusern und wurde nicht nur erste Präsidentin der American Society of Superintendents of Training Schools, sondern lange nach ihrem Tod, 1994 auch in die National Women’s Hall of Fame aufgenommen.

Mary Jane Seacole (1805 – 1881)

Die in Jamaika geborene Kreolin war eine Zeitgenossin Florence Nightingales und ebenso, wie sie während des Krimkrieg aktiv. Die Krankenpflege hatte sie von ihrer Mutter gelernt. Neben den Erkenntnissen der damaligen Medizin war sie jedoch auch in der Verwendung von afrikanischen und karibischen Naturheilmitteln bewandert. Nach einer Ablehnung ihrer Dienste als Krankenschwester durch das Kriegsministerium reiste Mary Jane Seacole 1855 auf eigene Faust auf die Krim und eröffnete in einem Stadtteil von Sewastopol das British Hotel, was nicht nur als Offiziersklub diente, sondern auch zur ersten Anlaufstation von britischen Verwundeten avancierte. Ihre Verdienste als Krankenschwester wurden später nicht nur von Florence Nightingale, sondern auch durch die Verleihung der Krim-Medaille gewürdigt. Ihre Erinnerungen formulierte Mary Jane Seacole später in ihrer Autobiographie „Wonderful Adventures of Mrs. Seacole in Many Lands“. Mary Jane Seacole hat durch ihren Einsatz zahllosen nichtweißen Krankenschwestern im British Empire den Weg zu einer normalen Berufsausbildung geebnet. In einer von der BBC initiierten Umfrage wurde sie 2004 zur „Bedeutendsten Schwarzen Britin“ gewählt.

Mary Breckinridge (1881 – 1965)

Um über Scheidung und den Tod ihres Kindes hinwegzukommen, wurde Mary Breckinridge Krankenschwester und ging in dieser Funktion während des 1. Weltkriegs nach Europa. Dort traf sie auf britische und französische Hebammen und entschied, dass deren Praxis auch den jungen Schwangeren in den entlegenen Gebieten der USA helfen könnte. 1925 gründete sie deshalb den bis heute aktiven Frontier Nursing Service, der vor allem Frauen in den entlegenen Gebieten der Apalachen in Kentucky medizinische Hilfe in der pränatalen und nachgeburtlichen Pflege ermöglichte. Dabei übernahmen berittene Krankenschwestern aufgrund der Abwesenheit von Ärzten mehrere von deren Behandlungen und leiteten darüber hinaus auch jüngere Berufskolleginnen an. Mary Breckenridg`s Leben wurde lange nach ihrem Tod zum Vorbild für die TV-Serie „Call the Midwife“.

Mabel Keaton Staupers (1890 – 1989)

Den wichtigsten Beitrag zur Gleichberechtigung von Krankenschwestern aller Hautfarben leistete wohl Mabel Keaton Staupers. Auf Barbados geboren, kam die 13-jährige Mabel mit ihren afroamerikanischen Eltern nach New York, wo sie 1917 eine Ausbildung zur Krankenpflegerin mit Examen abschloß. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als private Krankenschwester gründete sie mit zwei befreundeten Ärzten das erste Krankenhaus für „Schwarze“ und übernahm dort die Leitung der Krankenpflege. Ihr unermüdlicher Einsatz galt zunächst der Bekämpfung von Tuberkulose, die damals vor allem unter der mittellosen, farbigen Bevölkerung den Rang einer Volksseuche hatte. Den größten Erfolg errang Mabel Staupers allerdings während des 2. Weltkriegs gegen die Diskriminierung innerhalb der amerikanischen Armee. Dank ihres freundlichen und klugen Verhandelns mit Politikern und Gewerkschaftsführern konnten afroamerikanische und andere Sanitätskräfte vollkommen gleichberechtigt in der Armee tätig werden. Diese Regelung wurde 1945 gesetzlich festgeschrieben.

Claire Bertschinger (1953 – )

Die Tochter eines Schweizers und einer Britin erkannte schon früh ihre Berufung und reiste nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester um die ganze Welt. Nach der Begleitung einer wissenschaftlichen Expedition nach Panama und Papua Neuguinea ging Claire 1984 als Feldkrankenschwester nach Äthiopien und leitete dort, während der Hungerkatastrophe eine Essensstation. Während sie nur 60 bis 70 Kinder versorgen konnte, herrschten in ihrer Umgebung katastrophale Zustände. Einem TV-Team der BBC, das vor Ort eine Reportage drehte, erzählte Claire Bertschinger ihre erschütternde Geschichte. Die Ausstrahlung des Reports im britischen Fernsehen im Oktober 1984 veranlasste Bob Geldof zur Gründung seiner Initiative Band Aid. Durch den Song „Do they know its Christmas Time“ und das darauf folgende Mega-Konzert Live Aid konnten über 150 Millionen Pfund gesammelt werden. Die Aktion rettete über 2 Millionen Äthiopier vor dem Hungertod. 2010 wurde Claire Bertschinger von Queen Elisabeth zur „Dame Commander of British Empire“ ernannt. Sie ist heute für die Ausbildung „Tropical Nursing“ an der London School of Hygiene and Tropical Medicine verantwortlich.

2 Responses

  1. Stefanie

    Wow, vielen Dank für die Liste und die Mühe, die hier rein geflossen ist. Was diese Frauen geschafft haben, ist wirklich mehr als bemerkenswert!

    • Petra

      Danke für das Lob 🙂 Ja, diese Frauen waren wirklich klasse und haben viel für unsere Berufsgattung aber auch die Menschheit geschafft – da hast Du wirklich recht!

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